Jahrzehntelang auf die U5 warten? Studie zeigt Alternative mit U2 und U3 sowie Anschluss zusätzlicher Quartiere

2040 bis zu den Arenen, Anfang der 2040er Jahre bis nach Osdorf – das ist der Zeitplan des Senats für die Fertigstellung der U5. Fast zwei Jahrzehnte Bauzeit für eine U-Bahn-Anbindung, die trotz zweistelliger Milliardenkosten viel weniger Hamburger*innen eine neue Bahnanbindung bringt als möglich und nötig. Und die für den schon jetzt dringend notwendigen Umstieg vom Auto auf den Umweltverbund viel zu spät kommt. Mit einer Studie (PDF) zeigt die Linksfraktion, wie die U5 ab der Haltestelle Borgweg vorhandene Kapazitäten der U3 bis Berliner Tor und weiter mit der U2 bis Hagenbeck Tierpark nutzen kann, mit welchen Maßnahmen stark frequentierte, überlastete Busstrecken – anders als mit der geplanten U5 – entlastet werden und wie mehr Stadtteile einen besseren ÖPNV bekommen können. Mit der wesentlich schneller und erheblich kostengünstiger zu realisierenden Alternative wird ein wichtiger Baustein für die Hamburger Mobilitätswende geliefert.

Dazu Heike Sudmann, verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Eine U5 in knapp zwanzig Jahren kommt zu spät für die dringend notwendige Mobilitätswende weg vom Auto. Dazu kommt: Die angespannte Haushaltslage sowohl im Bund als auch im Land ist ein großer Unsicherheitsfaktor für die Finanzierung der über 16 Mrd. Euro (ohne Grunderwerbskosten), die bisher für den U5-Bau bis zu den Arenen veranschlagt wurden. Und die jahrelangen Sperrungen von Hauptverkehrsstraßen treffen Anwohner*innen und Geschäftstreibende hart. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass der Senat sich endlich von seiner unterirdischen Verkehrspolitik verabschiedet. Der Tunnel für die U5 ist nicht die Lösung von Hamburgs Mobilitätsproblemen!“  

Dazu Dieter Doege, Nahverkehrsberater und einer der beiden Studienautoren: „Wir haben uns genau angesehen, was ein Weiterbau der geplanten U5 ab Borgweg bringen könnte. Angesichts extrem hoher Kosten und jahrelang währender, großer und den Stadtverkehr über die Maßen behindernder Baustellen ist es unserer Meinung nach unvertretbar, zwischen Borgweg und St. Georg praktisch in Sichtweite einer vorhandenen U-Bahnlinie die neue U5 weiter bauen zu wollen. Desweiteren sind die beiden bereits bestens erschlossenen Haltestellen Hauptbahnhof und Stephansplatz als zusätzliche und vermutlich teuerste U5-Haltestellen überflüssig und der weitere geplante U5-Verlauf wäre noch nicht einmal in der Lage, Hamburgs am stärksten frequentierte Metrobuslinie M5 in sinnvoller Weise vollständig zu ersetzen. Deshalb haben wir vier Korridore entwickelt, die mit stark nachgefragten Verbindungen alle Ansprüche an die U5 erfüllen und erheblich mehr Fahrgäste gewinnen können. Zusätzlich zu den vier Korridoren nutzen wir ab Borgweg vorhandene Kapazitäten auf der U3 Richtung Berliner Tor und von dort weiter mit der U2 bis Hagenbeck Tierpark. So kann die U5 als U5neo ohne weitere Neubauten relativ schnell in Betrieb gehen.“ 

Dazu Jens Ode, Nahverkehrsexperte und Studienautor: „Erstaunlich ist, welch wundersame Fahrgastvermehrung der Senat und die Hochbahn für ihre U5 prognostizieren. Am Stephansplatz sollen es fast drei Mal so viele Fahrgäste sein, wie heute die U1 und die beiden Buslinien M4 und M5 nutzen. Auch an vielen anderen Haltestellen liegen die prognostizierten Zahlen ein Vielfaches über dem, was selbst mit dem sogenannten Schienenbonus realistisch erscheint. Die von uns ermittelten Fahrgastzahlen auf Grundlage der heutigen Nutzung zeigen, wie sehr Senat und Hochbahn die Zahlen schönen. Während der Senat auf der U5 insgesamt 24 Haltestellen schaffen will, kommen wir mit unserer Alternative auf insgesamt 91 Haltestellen. So können wir wesentlich mehr Hamburger*innen einen bequemen Wechsel vom Auto in den ÖPNV bieten. Und das nicht nur in deutlich kürzerer Zeit, sondern auch zu einem Bruchteil der U5-Kosten.“