Jede Stimme zählt – Bis zum 31. Mai abstimmen: Für Hamburg – NEIN zu Olympia!

Der Tag der Abstimmung über Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg 2036, 2040 oder 2044 rückt immer näher. In der Bürgerschaft wird teilweise erbittert und auch herabsetzend diskutiert. Trotz der vielen Werbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele gibt es jedoch an den Infoständen der Linken fast nur Zustimmung für ein NEIN zu den Spielen. Menschen, die von sich sagen, mit den Linken sonst nicht übereinzustimmen, teilen unsere Kritik.

Wichtig ist, dass viele kritische Menschen an der Abstimmung teilnehmen. Auch diejenigen, die meinen, dass München eh den Zuschlag erhält. Und auch diejenigen, die meinen, dass sie die Spiele nicht mehr erleben werden. Denn die Finanzierung der Spiele würde in den nächsten Jahren alle treffen, durch Kürzungen, womöglich getarnt als Mittelumschichtungen, die dann z.B. Senior*inneneinrichtungen oder -angeboten treffen werden.

Nur viele NEIN-Stimmen sind ein Garant dafür, dass die Spiele nicht nach Hamburg kommen. Deshalb: bis zum 31. Mai mit NEIN stimmen!

Werbung über Werbung von den Befürworter*innen

Die Stadt ist vollgestellt mit Plakaten, vor allem von den Befürworter*innen, die dafür viel Geld ausgeben. Allein der Senat hat bis zum 15. April fast 500.000 Euro für Werbung gezahlt, insgesamt stehen ihm für das „Kommunikationskonzept“ zwei Millionen Euro zur Verfügung (siehe meine Schriftliche Kleine Anfrage Drucksache 23/3821, Nr. 2). Ob Anzeigen in der Mopo, die aussehen wie normale Artikel, Anzeigen im Abendblatt, in Monatsmagazinen, digitale Werbung an den Straßen undundund – überall wird aufgerufen, mit JA zu stimmen.

und Geld über Geld

Auch die Wirtschaft beteiligt sich intensiv. Die Handelskammer verwaltet einen Fonds, in den die Befürworter*innen bisher 1,3 Mio € eingezahlt haben (siehe Transparenzbekanntmachung des Senats/active city unter Nr. 5 Finanzierung der Kampagne, Stand 5.5.26). Daraus wurde z.B. laut Hamburger Abendblatt vom 8. April die erste Show mit 900 LED-Drohnen Ende Februar bezahlt. Kosten: 86.000 €. Zum Hafengeburtstag soll es eine zweite Drohnen-Show geben.

und gute Beziehungen

Eine nach eigenen Worten überparteiliche und ehrenamtliche Initiative OlympJA hat am 24. April eine Werbeaktion für Olympia am Jungfernstieg gemacht. Mit kostenloser Bühnenshow und mehreren Künstler*innen wurde gelockt. Gekommen sind nur wenige hundert Teilnehmenden, obwohl in allen Sportvereinen dafür getrommelt wurde. Dank wohlwollender Medienberichterstattung war von 3. – 5.000 Teilnehmenden die Rede – obwohl auf den Bildern und in den Filmen deutlich zu sehen war, dass nur wenige hundert vor Ort waren.

Interessant ist ein Blick hinter die Kulissen: die drei sogenannten Macher der Initiative – Christian Gerlach von Neuland Concerts, Eventveranstalter Uwe Bergmann und Berater Matthias Onken – sind so eng verwoben mit der Stadt und dem Olympia-Projekt sind, dass es kein Geld von der Stadt für das Event bedarf (s. eine Schriftliche Kleine Anfrage der Linksfraktion, Drs. 23/3816). Neuland concerts hat im Auftrag der Stadt die Olympia-Eröffnungsfeier geplant und wird mit als Herausgeber des Finanzkonzepts genannt (S. 36). Genau wie Herr Bergmann können sie durch Olympia auf Aufträge hoffen. Matthias Onken arbeitet u.a. in der Beratungsgesellschaft von Altbürgermeister Ole von Beust. Dort finden sich viele ehemalige Politiker von CDU über SPD bis hin zu den Grünen. Michael Vesper, früherer Chef des DOSB und Ex-Minister der Grünen in NRW, ist seit 2018 Partner in der Beratungsgesellschaft.

Fairplay? Fehlanzeige!

Der Sport, um den es ja eigentlich gehen sollte, lebt von Fairness, vom Fairplay. Rund um die Olympia-Bewerbung gilt das oft nicht.

So veröffentlichte die Handelskammer am 20. April, wenige Tage vor Beginn der Verschickung der Wahlunterlagen, eine zwei Monate alte (!) Umfrage. 59,6 Prozent der Befragten waren demnach „(eher) für die Durchführung von Olympischen und Paralympischen Spielen in Hamburg“. Diese Umfrage fand statt, bevor der Senat den Hamburger*innen das Finanzkonzept am 11. März sowie das gesamte Olympia-Konzept am 17. März vorlegte. Und sie fand vor der NDR-Umfrage Ende März statt: Die NDR-Frage, ob eine Olympia-Bewerbung Hamburgs „eher gut“ oder „eher schlecht“ sei, beantworteten 50 Prozent mit „eher schlecht“. Für „eher gut“ entschieden sich nur 41 Prozent.

Die Handelskammer-Umfrage wurde von vielen Medien nicht hinterfragt und als vermeintlich neuer Trend veröffentlicht. Nur aufgrund von Protesten von NOlympia und von der Linken ruderten dann NDR und Mopo zurück und entschuldigten sich öffentlich für ihren Fehler bei der Weiterverbreitung dieser Meldung. Im Abendblatt gab es eine halbherzige Rücknahme, verbunden mit einer heftigen und viel mehr Platz einnehmenden Polemik gegen die Linken.

Auch beim Hamburger Marathon am 26. April gab es einen unsportlichen und unfairen Zwischenfall. Auf Bannern, auf Banden, auf Lauf-T-Shirts – überall wurde für Olympia geworben. Doch ein Läufer, der ab Dammtor die letzten paar hundert Meter mit einer Anti-Olympia-Fahne lief, wurde kurz vor dem Ziel vom Geschäftsführer des Marathons und Sicherheitspersonal abgedrängt und gegen die Bande gedrückt. Begründung: der Marathon sei unpolitisch. Später wurde nachgeschoben, dass der Läufer stehen geblieben sei. Filmaufnahmen beweisen jedoch das Gegenteil.

Die Paralympischen Spiele sollen Hamburg zur barriereärmsten Metropole in Deutschland machen, verspricht jedenfalls der Senat. Von moralischem Druck und Erpressung sprechen in diesem Zusammenhang Vertreter*innen aus der Behindertenbewegung, nachzulesen in einem taz-Artikel vom 27. April. Hans-Jürgen Rehder, der eine olympische Bronzemedaille im Tischtennis-Doppel 1988 in Seoul gewann und seit Jahren als Co-Vorsitzender des Inklusionsbeirats Eimsbüttel aktiv ist, empört sich laut taz: „In der aktuellen Politik findet Inklusion bestenfalls am Rand des Bildschirms statt. Jetzt wird es in den Vordergrund geschoben, um moralischen Druck zu machen, damit die Leute für Olympia stimmen. In meinen Augen ist das eine Form von Erpressung.“

Auch Siegfried Saerberg, Soziologe und bis zur Schließung des Hamburger „Zentrums für disability studies“ durch den Senat Ende 2025, übt in der taz Kritik: „Wenn suggeriert wird, dass ohne Olympia keine Fortschritte möglich sind, entsteht ein moralischer Druck: Wer gegen Olympia ist, ist gegen Inklusion. Das ist politisch geschickt – aber inhaltlich fragwürdig.“ Saerberg forscht aktuell an der Uni Münster zu Menschenrechten und Behinderung in modernen Gesellschaften.

David gegen Goliath

Wer sich anguckt, was von den Befürworter*innen alles an Geld, Promis und Werbung aufgefahren wird, sieht schnell, dass hier ein Kampf David gegen Goliath stattfindet.

Die Initiative NOlympia hingegen hat keine Millionen-, geschweige denn sechsstellige Beträge zur Verfügung. Sie lebt vor allem von dem Engagement ihrer Mitglieder, die aus sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen sich zusammengetan haben.

Auch bei der Partei Die Linke sind es die Mitglieder, die mit viel Einsatz die Gegenargumente zu Olympia auf die Straße und an die Menschen bringt. Das Kampagnenbudget der Linken beträgt insgesamt 50.000 € und wird ausschließlich aus Mitteln der Partei, also ohne Sponsor*innen, finanziert (siehe Transparenzerklärung).

Die Gegner*innen der Olympia-Bewerbung werden von der großen Unterstützung in der Bevölkerung getragen. Denn anders als der Senat und die Befürworter*innen suggerieren, überwiegt die Skepsis und die Kritik an den Olympischen Spielen. Deshalb wird auch in Hamburg die Geschichte des Kampfes von David gegen Goliath gut ausgehen. Das NEIN zu Olympia wird siegen. Darauf einen Sekt, ein Wasser oder ein anderes Getränk der Wahl am Abend des 31. Mai!