Olympia-Finanzkonzept: Sicherheitskosten fehlen, der Gewinn ist in Wahrheit ein Verlust

Der Senat stellte heute das Finanzkonzept für Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg vor. Im sog. Durchführungsbudget gibt der Senat Ausgaben von 4,8 Mrd. Euro und Einnahmen von 4,9 Mrd. Euro an. Allerdings enthalten die Einnahmen auch einen Zuschuss von 200 Mio. Euro des Bundes. Ohne diese Steuergelder gibt es also keinen Gewinn, sondern ein Minus von 100 Mio. Euro. Noch nicht abschätzen kann oder mag der Senat die Kosten für öffentliche Dienstleistungen, insbesondere für Sicherheit im öffentlichen Raum – in Paris waren dies 1,4 Mrd. Euro.

Dazu David Stoop, Co-Vorsitzender und haushaltspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Beim Schönrechnen hat sich der Senat schon mal eine Goldmedaille erkämpft. Der behauptete Gewinn im Durchführungskonzept ist in Wahrheit ein Verlust von 100 Mio. Euro, weil er nur mit 200 Millionen Euro Förderung des Bundes zustande käme. Hinzu kommt: Der gesamte Kostenstand bezieht sich auf das Jahr 2025. Es gibt keine inflationsbereinigte Kostenrechnung für 2040 oder 2044. Die zu erwartenden Kostensteigerungen in den nächsten Jahrzehnten lassen sich weder mit 15 Prozent für Unvorhergesehenes noch mit 35 Prozent bei den Baukosten auffangen. Unverantwortlich ist, dass der Senat die öffentlichen Ausgaben für Logistik und Sicherheit überhaupt nicht in seine Kalkulation einbezieht. Das ist aber der entscheidende Kostenfaktor. An anderer Stelle des Konzepts wird stets Paris als ‚Benchmark‘ herangezogen. Die Ausgaben allein für Sicherheit betrugen dort 1,4 Mrd. Euro.“

Dazu Martin Wolter, sportpolitischer Sprecher der Linksfraktion: „Für den Bau neuer Sportstätten muss eine Bedarfsanalyse beim IOC vorgelegt werden. Da es diese für das geplante Leichtathletikstadion nicht gibt, sagt der Senat einfach: ‚Dieses Stadion bauen wir auch ohne Olympia‘. Dieser Finanztrick ist notwendig, denn das Vorbild, das Madrider Bernabeu-Stadion, kostete ganze 1,4 Milliarden Euro und der Rückbau des Londoner Olympiastadions von einer Leichtathletikarena zu einem Fußballstadion verschlang über 370 Millionen Euro. Wir erwarten vom Senat, dass er die Bürger*innen über die tatsächlichen Kosten Olympischer und Paralympischer Spiele informiert und nicht mit Nebelkerzen um sich wirft. Olympische Spiele gehören zu den finanziell riskantesten Megaprojekten: Die renommierte Oxford-Studie hat berechnet, dass seit 1960 keine Ausrichterstadt ihr Budget eingehalten hat! Die Linke steht für ein Hamburg, das in Bildung, Soziales, Klimaschutz, Kultur, Inklusion und gute Arbeit investiert und nicht in ein weiteres kostspieliges Hochrisiko-Prestigeprojekt.“